Aus für erfolgreiches Schulhühnerprojekt:

Es scharrt, gackert und kräht schon seit Mai nicht mehr im Hühnergehege des Gymnasiums Spaichingen. Jetzt, zum Schuljahresende, werden die Zäune und Hühnerhäuser endgültig abgebaut. Ein viel beachtetes und preisgekröntes Schulprojekt findet damit ein Ende.

Anfang des Jahres habe der Stadtrat den Beschluss gefasst, dass das Hühnergehege an der Sallancher Straße stark verkleinert werden müsse, nennt Schulleiter Jürgen Pach den Grund für das Aus. Damit sei jedoch das Ziel des Hühnerprojektes, nämlich die Zucht und die Erhaltung einer bedrohten Hühnerrasse, nicht mehr möglich gewesen. In Absprache mit Biologielehrerin Silke Banzhaf, die das Projekt initiiert und betreut hat, kam man daher zu dem Entschluss, das Hühnerprojekt ganz zu beenden, so der Schulleiter.

Es waren besondere Hühner, die fast fünf Jahre lang die Wiese neben dem Gymnasium bewohnten. Krüperhühner gehörten zu den ältesten deutschen Hühnerrassen, erklärt Silke Banzhaf, es gebe sie schon seit dem Mittelalter. Die Rasse ist extrem selten, gilt als vom Aussterben bedroht und wird von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) in die höchste Schutz-Kategorie eingeordnet.

Ziel des Schulprojekts war es, diese bedrohte Rasse zu erhalten – mit Erfolg: Bruteier aus Spaichingen wurden an Hühnerhalter verschickt und Stämme, bestehend aus einem Hahn und mehreren Hennen, an Züchter abgegeben, erinnert sich Silke Banzhaf.

Und die Krüperhühner hatten es gut in ihrem Gehege neben dem Gymnasium. Nicht nur, dass sie dort alles vorfanden, was sie auch in freier Wildbahn gehabt hätten: eine abwechslungsreiche Landschaft aus hohem Gras, Büschen und Sand. Sie hatten auch viel Platz. Auf den rund 1000 Quadratmetern des Geheges lebten maximal 50 Tiere. Zum Vergleich: Bei Bodenhaltung seien auf der gleichen Fläche sage und schreibe 9000 Hühner erlaubt, bei Biohaltung immerhin bis zu 250, weiß Silke Banzhaf.

Von Anfang an waren die Hühner am Gymnasium Spaichingen ein Projekt mit und für die Schülerinnen und Schüler. Eine Arbeitsgemeinschaft von rund 15 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten pro Schuljahr kümmerte sich um das liebe Federvieh, versorgte die Tiere mit Futter und Wasser und half beim Ausmisten.

Mit dem Projekt „Das gefährdete Krüperhuhn als Zweinutzungsrasse am Gymnasium Spaichingen“ gewannen die Schülerinnen Babett Ludwig und Greta Banzhaf 2022 zunächst den Landestierschutzpreis, dann auch den Bundesumweltpreis. Grund genug für den Landtagsabgeordneten Guido Wolf, das Gymnasium Spaichingen zu besuchen und sich über das Projekt zu informieren. Überschrift der damaligen Presseeinladung: „Wolf trifft Hühner“.

Auch Kindergartengruppen und Klassen anderer Schulen meldeten sich an, um die Spaichinger Schulhühner zu besuchen. Eltern schauten mit ihren Kindern vorbei und immer wieder statteten auch Bewohner des nahe gelegenen Altenzentrums Sankt Josef den Hühner eine Visite ab. Silke Banzhaf erinnert sich gern an „viele nette Gespräche mit den alten Leuten und auch mit den Eltern“.

Als klar war, dass das Schulhühnerprojekt keine Zukunft hat, machte sich die Biologielehrerin auf die Suche nach einer Bleibe für die Hühner und wurde bei mehreren Höfen in der näheren und weiteren Region fündig – allesamt so genannte Arche-Höfe, die auf die Zucht und den Erhalt alter, vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen spezialisiert sind. „Ich bin froh, dass alle auf Höfe gekommen sind, wo sie bleiben dürfen und nicht geschlachtet werden“, zeigt sich die Biologielehrerin erleichtert. Ende April haben die letzten Hühner das Gehege an der Sallancher Straße verlassen.

Der Abschied fiel Silke Banzhaf nicht leicht. „Man hängt an diesen Tieren“, sagt sie. Schließlich habe sie „jedes dieser Hühner groß gezogen“. Und sie hat viel Zeit und Herzblut in das Projekt gesteckt, etwa als die Lehrerin im Sommer 2021 ihre kompletten Ferien für den Bau des Geheges investiert hat. Jetzt, zum Schuljahresende baut sie es mit Hilfe von Schülerinnen und Schülern der Kursstufe das Gehege wieder ab. Trotzdem blickt sie positiv auf die fünf Jahre mit den Schulhühnern zurück: „Es war ein schönes und auch erfolgreiches Projekt“.

Föhl