Leistungskurs Religion schnuppert Uni-Luft:
Wenn ein Leistungskurs nicht zu groß ist, hat das auch Vorteile, beispielsweise, dass alle Schülerinnen und Schüler samt Lehrer in einen VW Touran mit ausgeklappten Notsitzen passen. So ging es kurz vor Weihnachten in die altehrwürdige Universitätsstadt Tübingen und zwar sehr früh, um 6.45 Uhr, damit man pünktlich zu Vorlesungsbeginn vor Ort war.
Dr. Volker Henning Drecoll, Professor für Kirchengeschichte, begrüßte die Spaichinger Gymnasiasten im Hörsaal des Theologicums, dem Seminargebäude der theologischen Fakultäten. In seiner Vorlesung über Reformationsgeschichte ging es um die Ereignisse, politischen Akteure und Machtkonstellationen, die schließlich zum Westfälischen Frieden zwischen katholischen und protestantischen Reichsständen führten. Die Spaichinger Gäste erfuhren beispielsweise den Grund dafür, warum Spaichingen traditionell katholisch, das benachbarte Hausen ob Verena jedoch evangelisch ist.
Zum Mittagessen waren die Gymnasiasten im Evangelischen Stift eingeladen, einem ehemaligen Augustinerkloster am Ufer des Neckars, wo seit dem 16. Jahrhundert evangelische Theologen und Theologinnen ausgebildet werden. In der Zeit bis zum Mittag zeigte LK-Lehrer Andreas Föhl, der einst in Tübingen studierte, seinen Schülerinnen und Schülern einige Sehenswürdigkeiten: Vom Kupferbau ging es über die Neue Aula durch den botanischen Garten zur Stiftskirche und schließlich zum Hölderlinturm. Anschließend erkundeten die Spaichinger die Stadt auf eigene Faust oder machten Besorgungen auf dem Weihnachtsmarkt.
Im Evangelischen Stift wurden die Schülerinnen und Schüler dann von Theologiestudent Nepomuk Traeger empfangen, der sie in den langgestreckten, säulendurchzogenen Speisesaal führte, wo sie sich zusammen mit den Stiftststudierenden mit Maultaschen und Kartoffelsalat stärkten. Anschließend erzählte Nepomuk Traeger den Gästen bei einem Rundgang durchs Stift viel über die Geschichte des Hauses und dessen berühmte Bewohner wie den Astronomen Johannes Keppler, den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder den Dichter Friedrich Hölderlin. Besonders beeindruckt waren die Spaichinger Gäste vom Karzer, einer ca. ein Quadratmeter großen Zelle, in die in alten Zeiten Studenten gesperrt wurden, die gegen die strengen Stiftsregeln verstoßen hatten.
Froh, dass es so etwas am Gymnasium Spaichingen nicht gibt, kehrte der LK Religion wieder zurück in die Heimat.
Föhl




